König Mohammed VI. eröffnet die 12. Legislaturperiode und hält eine Rede
Das Königreich Marokko setzt auf wirtschaftliche Stärke, soziale Gerechtigkeit und regionale Entwicklung
Rabat, 9. Oktober 2026 – Seine Majestät König Mohammed VI. hat am Freitag anlässlich der Eröffnung der ersten Sitzungsperiode des ersten Legislaturjahres der 12. Legislaturperiode eine Rede vor dem marokkanischen Parlament gehalten.
Begleitet wurde der Monarch von Seiner Königlichen Hoheit Kronprinz Moulay El Hassan, Seiner Königlichen Hoheit Prinz Moulay Rachid und Seiner Hoheit Prinz Moulay Ahmed.
In seiner Rede betonte Seine Majestät König Mohammed VI. die Bedeutung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Weiterentwicklung Marokkos, einer stärkeren sozialen und territorialen Gerechtigkeit sowie einer umfassenden Modernisierung der staatlichen Verwaltung. Weitere Schwerpunkte waren die Beschäftigungsperspektiven junger Menschen, die strategische Versorgungssicherheit und die internationale Zusammenarbeit, insbesondere mit dem Königreich Spanien.
Vollständiger Wortlaut der königlichen Rede in ungefährer deutscher Übersetzung
Gelobt sei Gott.
Friede und Segen seien auf dem Propheten, seiner Familie und seinen Gefährten.
Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,
die Eröffnung der neuen Legislaturperiode bietet Uns die Gelegenheit, den Mitgliedern des Repräsentantenhauses zu dem Vertrauen zu gratulieren, das ihnen die Wähler entgegengebracht haben.
Diese Legislaturperiode beginnt unter außergewöhnlichen Umständen, die zahlreiche Chancen bieten, welche sich möglicherweise nicht wiederholen werden. Es gilt daher, diese Möglichkeiten zu nutzen, um die Dynamik der bisherigen Errungenschaften in den verschiedenen Bereichen fortzuführen.
Was die neue parlamentarische und staatliche Amtsperiode betrifft, so erwarten Wir, dass sie einen echten Wendepunkt für das Königreich Marokko darstellt.
Unser Land soll seinen Anspruch weiterverfolgen, sich als aufstrebende und verlässliche Wirtschaftsmacht zu etablieren. Gleichzeitig muss ein harmonisches Gleichgewicht zwischen den Anforderungen des Wirtschaftswachstums und der Notwendigkeit einer stärkeren sozialen und territorialen Gerechtigkeit hergestellt werden.
Sehr geehrte Damen und Herren,
im Jahr 2014 erklärte Ich an eben diesem Rednerpult:
„Das Gefühl, das Mir im Leben am meisten bedeutet, ist der Stolz darauf, Marokkaner zu sein.“
Auch heute ist dieses Gefühl unverändert lebendig. Im Laufe der Jahre ist es sogar noch stärker geworden und hat sich immer tiefer verwurzelt.
Marokko, eine der angesehensten und ältesten Nationen der Welt, entwickelt sich unter der Führung einer der ältesten Monarchien der Geschichte.
Unter dem Schutz des Amtes des Befehlshabers der Gläubigen haben die Marokkaner allen Grund, stolz auf die Authentizität ihrer religiösen Identität sowie auf den einzigartigen Reichtum ihrer Zivilisation zu sein, die aus vielfältigen kulturellen und historischen Einflüssen hervorgegangen ist.
Ebenso können wir stolz auf Unsere politischen und diplomatischen Errungenschaften, auf die wirtschaftlichen und sozialen Fortschritte sowie auf das Entwicklungsniveau sein, das das Erscheinungsbild Marokkos grundlegend verändert hat.
Nationalstolz ist in diesem Zusammenhang weder eine Form der Eitelkeit noch Ausdruck von Selbstzufriedenheit.
Vielmehr ist er eine treibende Kraft, die das Zugehörigkeitsgefühl in Verantwortung und das Selbstbewusstsein in nationale Pflicht verwandelt.
Sehr geehrte Damen und Herren,
in einem internationalen Umfeld, das von einer zunehmenden Beschleunigung geoökonomischer Veränderungen geprägt ist, hat sich Unser Land auf der Grundlage einer klaren Vision einer neuen Dynamik umfassender Reformen und großer Entwicklungsprojekte verschrieben.
Neben der Umsetzung der bereits vorgesehenen Infrastrukturprojekte muss heute eine neue Generation umfassender strategischer Initiativen auf den Weg gebracht werden.
Dies betrifft insbesondere folgende Bereiche:
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die Sicherung der Wasserversorgung,
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die Energieversorgung und Energiesicherheit,
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die Ernährungssicherheit,
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die industrielle Entwicklung,
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die digitale Wirtschaft,
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die künstliche Intelligenz.
Darüber hinaus rufen Wir heute erneut dazu auf, die Kapazitäten des Königreichs zum Aufbau strategischer Reserven und zur Sicherstellung der Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern wesentlich schneller auszubauen.
In diesem Zusammenhang fordern Wir den Privatsektor auf, seine Rolle als strategischer Akteur des tiefgreifenden Wandels, den Unser Land im Zuge seiner Entwicklung durchläuft, zu stärken.
Wir erwarten von ihm außerdem mehr unternehmerische Initiative, größere Kreativität und eine stärkere Fähigkeit, Arbeitsplätze zu schaffen sowie seine Investitions- und Exportkapazitäten auszubauen.
Ebenso müssen die Anliegen der Jugend in den Mittelpunkt der staatlichen Politik und der Arbeit der verantwortlichen Institutionen gerückt werden.
Hierzu bedarf es einer umfassenden und abgestimmten Strategie, welche die Chancengleichheit gewährleistet und insbesondere Bildung, berufliche Qualifikation und wirtschaftliche Integration umfasst.
Auf diese Weise sollen junge Menschen mehr Vertrauen in ihre Möglichkeiten zum sozialen Aufstieg gewinnen.
Zugleich sollen sie stärker an die Institutionen ihres Landes und an die Chancen glauben können, die ihnen geboten werden, um innerhalb eines Rahmens von Freiheit, Würde und Stabilität eine bessere Zukunft aufzubauen.
Sehr geehrte Damen und Herren,
die eigentliche Herausforderung der kommenden Entwicklungsphase besteht in der konkreten Arbeit vor Ort.
Es gilt, die tatsächlichen Probleme jeder einzelnen Region zu erkennen und dafür realistische Lösungen zu finden.
Die Förderung einer integrierten Entwicklung, die Verbesserung der Qualität öffentlicher Dienstleistungen und die Unterstützung produktiver Investitionen stehen in engem Zusammenhang mit der fortgeschrittenen Regionalisierung und der Umsetzung der administrativen Dekonzentration.
Allerdings beeinträchtigen Verzögerungen und strukturelle Fehlentwicklungen weiterhin die praktische Umsetzung der Dezentralisierung und Dekonzentration.
Diese Hindernisse wirken sich negativ auf die sozioökonomischen Entwicklungsprogramme aus und verhindern, dass den tatsächlichen Anliegen der Bürger angemessen Rechnung getragen wird.
Deshalb betonen Wir mit aller Entschiedenheit, dass weitere Verzögerungen oder ein weiteres Hinauszögern bei der vollständigen Umsetzung der Charta zur administrativen Dekonzentration nicht länger hinnehmbar sind.
Dies umfasst insbesondere die Übertragung von Zuständigkeiten sowie die notwendige Umverteilung personeller und finanzieller Ressourcen von der Zentralverwaltung auf die Provinzen und Regionen.
Ebenso müssen die Hindernisse beseitigt werden, die das Funktionieren der regionalen Institutionen weiterhin erschweren. Dazu gehören insbesondere eine klarere Festlegung ihrer jeweiligen Zuständigkeiten sowie die Stärkung ihrer personellen und materiellen Ausstattung.
Es ist unerlässlich geworden, die Beziehungen zwischen dem Staat und den Regionen besser zu organisieren und die erforderlichen Mechanismen der Koordinierung und vertraglichen Zusammenarbeit einzuführen.
Damit sollen die Regionen über die notwendigen Entscheidungs- und Handlungskompetenzen verfügen, um Entwicklungsprojekte eigenständig umzusetzen.
Sehr geehrte Damen und Herren,
das Königreich Marokko konnte seine internationale Stellung als verantwortungsbewusster und verlässlicher Partner weiter festigen.
Marokko ist ein Land, das darauf bedacht ist, seine Verpflichtungen einzuhalten, und daher zu Recht erwartet, von seinen Partnern mit derselben Verlässlichkeit und Verantwortung behandelt zu werden.
Darüber hinaus hat der ausgewogene Ansatz, den Unser Land bei der Steuerung der Migration verfolgt, zu konkreten Ergebnissen geführt.
Dennoch müssen Wir mit Mut und Objektivität anerkennen, dass das bisherige Kooperationsmodell in diesem Bereich an seine Grenzen gestoßen ist, wie die wiederkehrenden Krisen deutlich zeigen.
Dieselbe Einschätzung gilt für Unser Nachbarland, das Königreich Spanien, mit dem Unsere Partnerschaft in verschiedenen Bereichen bedeutende Fortschritte erzielt hat, einschließlich der Bekämpfung irregulärer Migration.
Diese Zusammenarbeit sieht sich heute jedoch mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert.
Diese ergeben sich insbesondere aus bestimmten überholten gesetzlichen Regelungen und gerichtlichen Entscheidungen, die von den tatsächlichen Gegebenheiten weit entfernt sind.
Leider erschwert diese Kombination die Rückführung Minderjähriger sowie von Personen, die sich unrechtmäßig als Flüchtlinge ausgeben.
Gleichzeitig begünstigt sie die Aktivitäten krimineller Netzwerke.
Angesichts unverantwortlicher Äußerungen bestimmter politischer und medialer Kreise sowie ihrer offensichtlichen Instrumentalisierung der Situation bekräftigen Wir:
Die Partnerschaft ist eine souveräne Entscheidung und eine freiwillig eingegangene Verpflichtung.
Sie darf weder Gegenstand von Druck oder Drohungen noch von irgendeiner Form der Erpressung sein.
In diesem Zusammenhang wird das Königreich Marokko seinen Partnern ein Dokument vorlegen, das eine klare, strategische und praxisorientierte Vision enthält.
Diese Vision soll eine neue Ausrichtung der Zusammenarbeit ermöglichen, die auf die Förderung gemeinsamer Entwicklung, wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit und regionaler Stabilität abzielt.
Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,
wie Sie wissen, stellt das parlamentarische Mandat sowohl eine politische Verpflichtung als auch einen moralischen Vertrag dar, der Sie mit den Bürgerinnen und Bürgern verbindet.
Seien Sie daher, möge Gott Sie beschützen, dieser nationalen Verantwortung gewachsen.
Für diese Verantwortung müssen Sie vor Gott, vor den Bürgern und vor der Geschichte Rechenschaft ablegen.
Und Sie werden dafür belohnt werden, wie es im Wort des Allerhöchsten verheißen ist:
„Wer mit einer guten Tat kommt, dem wird sie zehnfach vergolten.“
Wahrhaftig ist das Wort Gottes.
Friede sei mit Ihnen sowie Gottes Barmherzigkeit und Segen.
Marjam Anja Saddiki-Siracusa
Contessa di Villalta
Chefredakteurin
Marokko-News.com
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Deutsche Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: marokko-news.com
Quelle des Originaltextes: Maghreb Arabe Presse (MAP), 9. Oktober 2026, veröffentlicht über das marokkanische Parlament. Die vorliegende Fassung ist eine redaktionelle deutsche Übersetzung und keine amtliche Übersetzung. Die Rechte am französischen Originaltext bleiben den jeweiligen Rechteinhabern vorbehalten.